Versichern oder nicht? Wie uns unser Bauchgefühl austrickst

Versichern oder nicht? Wie uns unser Bauchgefühl austrickst

Versichern oder nicht? Bei einer so wichtigen Frage handeln die wenigsten von uns rational. Eine ganze Menge Psychologie steckt hinter unserer Entscheidung. Warum unser Bauchgefühl dabei eine grosse Rolle spielt - und wieso es nicht immer recht hat. 

Die Psychologie hinter unseren Entscheidungen

Wann wir uns für oder gegen eine Versicherung entscheiden, hängt ganz von unseren Erwartungen ab. Die beiden Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman entwickelten dazu 1979 die "Prospect Theory" bzw. "Neue Erwartungstheorie". Sie untersuchten, wie Leute nach ihrer Erwartung von Gewinn oder Verlusten zwischen riskanten Alternativen auswählen. Ihre grundlegende Erkenntnis liegt darin, dass Personen Verluste deutlich negativer empfinden, als dass sie Gewinne wertschätzen. Dieses Phänomen bezeichnen Tversky und Kahneman als Verlust-Aversion: 100 Franken zu verlieren, nervt uns viel stärker als dass wir uns über den Gewinn von 100 Franken freuen würden. 

Der Ärger darüber, 100 Franken zu verlieren, ist viel grösser als unsere Freude, den gleichen Betrag zu gewinnen

Aber was hat das mit Versicherungen zu tun? Vor jedem Abschluss stellt sich für uns die Frage, ob sich die Versicherung auszahlen wird oder nicht. Wir fragen uns jeweils, ob es sich bei unseren bezahlten Prämien um einen Gewinn oder einen Verlust für uns handelt. Entscheidend dafür ist, ob wir es für wahrscheinlich halten, dass der Schadenfall eintritt oder nicht.  

Wie wir Risiken herunterspielen

Nach Tversky und Kahneman gehen wir dabei nicht rational vor. Statt genau zu überlegen, wie wahrscheinlich ein bestimmter Schaden ist, legen wir uns zwei Kategorien zurecht: Die Kategorie 1 - "wird passieren" und die Kategorie 2 - "wird nie passieren". Ein Dazwischen gibt es hier nicht. Ohne Abstufungen zu machen, runden wir grosszügig auf oder ab. Eher seltene Szenarien wie eine Überschwemmung oder eine abgebrannte Wohnung spielen wir herunter und ordnen es in die Kategorie 2, "wird nie passieren", ein. So schmerzt uns jede Prämie, die wir für die passende Versicherung ausgeben müssen, auch besonders: Wir empfinden die Zahlungen als Verlust.

Entscheidung_fuer_gegen_versicherung.png

Passiert das vermeintlich Unmögliche, ändern wir unsere Meinung aber schnell. Brennt das Haus eines Bekannten ab, scheint die generelle Wahrscheinlichkeit plötzlich viel grösser, das eigene Domizil zu verlieren. Erkrankt jemand in unserem Umfeld schwer, denken wir plötzlich über die eigene Gesundheit nach. Jeden Monat für eine passende Zusatzversicherung zu bezahlen, erscheint uns jetzt als Gewinn - angesichts eines viel grösseren Verlustes.

In welchem Rahmen?

Aber wieso haben wir nach diesen Erfahrungen das dringende Bedürfnis, uns zu versichern? Rein rational ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden eintritt, ja immer noch genau gleich gross. Auch dafür haben Tversky und Kahneman eine Erklärung: Den Framing-Effekt bzw. die Rahmung des Ereignisses. So kann die genau gleiche Situation drastisch unterschiedliche Entscheidungen auslösen, abhängig davon, ob wir einen Gewinn oder Verlust erwarten.

Abhängig von unseren Erwartungen löst die gleiche Situation komplett unterschiedliche Entscheidungen aus.

Im Angesicht eines Verlustes sind Personen dazu bereit, ein Risiko einzugehen, während sie bei der Erwartung eines Gewinns eher vorsichtig sind. Dazu ein Beispiel - du hast die Wahl zwischen:

a) Einem sicheren Gewinn von 240 Franken

b) Einer 25%-Chance, 1000 Franken zu gewinnen - mit 75% Chance, nichts zu gewinnen

Nach den Experimenten von Tversky und Kahneman wählen hier die meisten Option a. Wenn es um Gewinne geht, sind wir vorsichtig - obwohl rechnerisch bei Option b mehr Gewinn zu erzielen ist.

Genau umgekehrt funktionieren wir bei einem erwarteten Verlust. Als Beispiel steht zur Wahl:

c) Ein sicherer Verlust von 750 Franken

d) Eine 75%-Chance, 1000 Franken zu verlieren - mit 25% Chance, nichts zu verlieren

Hier entscheidet sich die überwiegende Mehrheit jeweils für Option d. Um einen Verlust komplett zu vermeiden, wählen wir die riskantere Option. Wie die beiden Beispiele zeigen, ist unsere Verlust-Aversion so gross, dass wir die Einbusse unbedingt vermeiden wollen. Ob wir uns dabei risikofreudig oder vorsichtig verhalten, hängt ganz von unseren Erwartungen und der jeweiligen Situation ab.  

Versichern oder nicht?

So entscheiden wir auch beim Versichern: Wenn wir aus unseren Prämien einen Gewinn erwarten - jetzt bezahlen und später profitieren - sind wir eher dazu geneigt, Risiken zu vermeiden und einen Zusatzbetrag zu bezahlen. Sehen wir die Prämien allerdings als Verlust - jeden Monat Geld verlieren - gehen wir lieber das Risiko ein und schliessen keine Versicherung ab.  

Was können wir von Kahneman und Tversky mitnehmen? Beim Einschätzen von Risiken hilft uns unser Bauchgefühl nur bedingt weiter. Unabhängig von der jeweiligen Intuition kann niemand von uns voraussagen, ob ein Schadenfall eintreten wird oder nicht. Sicher ist aber: Im Fall der Fälle springt deine Versicherung ein und schützt dich vor grösseren Verlusten.


Uns bei Simpego ist es besonders wichtig, individuelle Versicherungen für unterschiedliche Bedürfnisse anzubieten. Auf unserer neuen Plattform entscheidest du, wie lange der Schutz gelten soll. 

Frau_Sonnenuntergang.jpg

Für smarte Entscheidungen.

Coming soon: Unsere Plattform für smarte Versicherungen

Coming soon: Unsere Plattform für smarte Versicherungen

Cybermobbing: Die Zahlen und Fakten

Cybermobbing: Die Zahlen und Fakten