Die Story zur grossen Reise: Kleine Imperfektionen

Die Story zur grossen Reise: Kleine Imperfektionen

Zum Französischlernen in die Karibik? Aber sicher! Unsere Gastbloggerin Katja Fässler teilt ihre Erfahrungen mit Leben, Leuten und Kuriosem auf Guadeloupe mit dir. Im Teil 2 sprach sie über die Herausforderungen in der Sprachschule. Im dritten und letzten Teil der blickt sie auf ein paar Schattenseiten des Insellebens zurück.  

Ich glaubte, dass mir das Herz stehen bleiben würde. Ich war bereits mit einem komischen Gefühl an der Gruppe von Männern vorbeigelaufen. Erst als ich die immer schneller werdenden Schritte hinter mir hörte, realisierte ich, dass ich den Atem angehalten hatte. Ich drehte mich abrupt um und starrte meinem Verfolger direkt in die Augen. Er stand einen knappen halben Meter vor mir und schien mir meine Panik anzusehen. “Buh!!”, machte er mit ausgestreckten Armen, so laut, dass ich zusammenzuckte, kehrt machte und im Schnellschritt die Strasse hocheilte.

Wenn die Situation ernst gewesen wäre, hätte ich keine Chance gehabt.

Hinter mir hörte ich hämisches Gelächter. Die ganze Gruppe schien sich prächtig auf meine Kosten zu amüsieren. Ich wagte es nicht, mich noch einmal umzudrehen oder irgendein Wort zu verlieren. Ich wollte nur schnell weg. Und wie ich da lief, wurde mir klar, dass wenn die Situation ernst gewesen wäre, ich schlicht und einfach keine Chance gehabt hätte.

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Heute nur Katzenwäsche

Mit klopfendem Herzen kam ich zu Hause an. Jetzt erst einmal unter die Dusche, dachte ich mir. Doch als ich den Hahn aufdrehen wollte, tröpfelte lediglich der Rest des angestauten Wassers heraus. Als ich mein Handy checkte, sah ich, dass meine Gastmutter mir ein Whatsapp geschickt hatte: “Kein Wasser heute, es gibt ein Problem mit der Kanalisation.” Zum Glück hatte ich noch ein paar Flaschen Wasser im Appartement stehen, die immerhin für eine Katzenwäsche reichten.

Zwei Firmen kümmern sich um die Wasserversorgung. Doch wenn es ein Problem gibt, will keiner verantwortlich sein. 

Am nächsten Tag in der Schule sprach ich mit meiner Lehrerin Florence über mein Erlebnis in der Nacht und über das Wasserproblem. Sie erklärte mir zuerst, dass es in Guadeloupe grundsätzlich möglich sein sollte, als Frau alleine unterwegs zu sein. Auch nachts. Doch Ausnahmen gebe es immer. Sie meinte auch, dass der Vorfall möglicherweise etwas mit meiner Hautfarbe zu tun haben könnte. Es gebe natürlich unter den Guadeloupianern solche, die ein Problem mit den Weissen hätten. Aufgrund der Sklavengeschichte versteht sich.

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Die schrecklichen Ereignisse zu Zeiten der Sklaverei hatte ich mir detailliert vor Augen geführt, als wir einst nach der Schule das Mémorial Acte, das Museum der Sklaverei, in Pointe-à-Pitre besucht hatten. 85 Millionen Euro hat der Bau des hochmodernen Denkmals gekostet. Ganz schön teuer für eine Insel, die mit elementaren Problemen wie dem Wasser zu kämpfen hat. Florence erklärte mir, dass sich zwei Firmen um die Wasserversorgung auf Guadeloupe kümmern würden. Doch wenn es irgendein Problem gäbe, wolle keiner verantwortlich sein. Darum passiere oftmals mehrere Tage gar nichts und die Inselbewohner müssten auf das Wasser aus den Flaschen zurückgreifen.

Gefährliche Algen

Ein weiteres, immer wiederkehrendes Ärgernis sind die Algen. In meiner zweiten Woche auf Guadeloupe wurden sie haufenweise an die Strände angeschwemmt. Besonders schlimm war es an den für Wassersportarten bekannten Stränden wie Sainte-Anne oder Saint François. Ganz zum Verdruss eines Mitschülers, der hauptsächlich zum Kite-Surfen nach Guadeloupe gekommen war. Das war aber unter diesen Bedingungen kaum möglich. Doch das eigentliche Problem liegt darin, dass die in der Sonne trocknenden Algen toxische Gase ausstossen, die der Gesundheit jener schaden, die ihnen längere Zeit ausgesetzt sind. Eine nachhaltige Lösung zur Beseitigung der Algenplage wurde noch nicht gefunden. Kaum sind sie weggeräumt, liegen am nächsten Tag gleich viele wieder da.

Doch trotz Algen, gelegentlichem Nicht-Duschen und gelegentlichen komischen Begegnungen: Ich hatte das karibische Inseljuwel ins Herz geschlossen. Mit all seiner Schönheit und seinen kleinen Imperfektionen. Und wie ich diese Zeilen schreibe, zu Hause an meinem Schreibtisch in meiner Wohnung in Zürich, werd ich bereits wieder vom Fernweh gepackt. Und mein Französisch? Naja, ich könnte ja theoretisch nochmals für ein paar Wochen in die Karibik fliegen….


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